In den nun folgenden Jahren wurde das französische Saint Domingue einer der reichsten Kolonien der Welt, während der östliche, spanische Teil immer mehr verarmte. Viele Spanier hatten das Land verlassen.
1730 wurden nur noch 6.000 Einwohner gezählt. Die Landbesitzer bebauten ihr Land nicht mehr, ließen höchstens Rinder darauf weiden, um diese dann in den Westteil zu schmuggeln. Die Zuckerrohrplantagen im Süden waren verlassen worden, unter anderem wegen wiederholter Plünderungen der Häfen durch Piraten. Es wurde keine Infrastruktur aufgebaut, um das fruchtbare Inland landwirtschaftlich zu nutzen. Durch die eingeführten Handelsrestriktionen gab es - außer dem Schmuggel - unrentabel den Handel. Die spanische Herrschaft konzentrierte ihr Handeln einzig und allein auf zivile, militärische und religiöse Einrichtungen, deren Träger sich durch korrupte Geschäfte zu bereichern suchten. Erst als 1740 einige Häfen für den Handel geöffnet wurden, begann sich die Wirtschaft langsam zu erholen, auch wenn sich der Handel zunächst auf den karibischen Raum beschränkte. Die Öffnung der Häfen bedeutete auch ein Ende der Isolation, in welcher der östliche Teil der Insel über ein Jahrhundert lang verharrt hatte. Neue Einwanderer siedelten sich an und 1785 zählte die Kolonie bereits 150.000 Einwohner, davon 40.000 Spanier und 40.000 Sklaven. Die restlichen 70.000 waren ehemalige Sklaven (Mulatten), die sich inzwischen freigekauft hatten. Die landwirtschaftliche Produktion im Vergleich zum Westteil war aber unbedeutend. Kaffee musste aus der französischen Kolonie importiert werden, Baumwolle, Kakao und Tabak wurde nur zum Eigenbedarf angebaut. Zucker wurde fast gar nicht mehr produziert, es existierten nur noch 22 kleine Zuckermühlen. Die einzigen Exportprodukte waren Rinder, bzw. Rohfelle und Rindertalg. In der französischen Kolonie dagegen entwickelte sich neben wirtschaftlichem Reichtum auch ein reges kulturelles Leben. In der ehemaligen Hauptstadt Cap Francais (heute Cap Haitien) gab es Büchereien, Bibliotheken, Druckereien, eine nationale Zeitung, ein Theater und viele Cafes. Die spanische Kolonie Hispaniolas war auch im 18. Jahrhundert noch eine konservative Viehzüchtergesellschaft mit streng patriarchalischen Strukturen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|






